Wirtschaftskrise

Wie entstand die Finanzkrise

Kategorien: Wirtschaftskrise am April 26th, 2009 von Daniel Nowak – 2 Kommentare

Wenn Mike 1995 bei seiner Hausbank in den USA nach einem Kredit über 200.000 USD gefragt hätte um ein Haus zu bauen, dann hätte man ihn gebeten Einkommensnachweise und Sicherheiten einzureichen und wenn diese nicht den Kreditvergaberichtlinien entsprochen hätten hätte er keinen Kredit gekriegt.
Im Jahr 2005 ging das auch ohne. Wie kam es dazu ?

Der globale Geldpool

Wenn man über Finanzkrise und vor allen Dingen über die Hypotheken nachdenkt, die an Menschen vergeben wurden ohne Einkommen und Sicherheiten, muss man sich Fragen wo kam eigentlich das Geld dafür her. Und an diesem Punkt müssen wir über den globalen Geldpool sprechen. Der globale Geldpool ist die Gesamtmenge an Geld, das investiert werden möchte. Da drin sind alle Ersparnisse von Privatpersonen, all das Geld von Versicherungen, Rentenfonds, das Geld der Bank von England und all der anderen Banken. Wenn man all das Geld zusammenrechnet dann  betrug die Summe letztes Jahr 70 Billionen USD. Eine Menge Geld und um dies ins Verhältnis zu setzen. Das ist mehr Geld als das Bruttosozialprodukt der ganzen Welt in einem Jahr. Das heißt es ist ein  Batzen Zaster. Diesen Batzen wollen wir nun den globalen Geldpool nennen.

Und dieser Geldpool wird von sehr nervösen Menschen verwaltet, die man Investmentmanager nennt. Investmentmanager wollen nichts weniger, als dass dieses Geld weniger wird. So, kurz bevor diese Geschichte anfängt passierte aber etwas. Im Jahr 2000 Betrug nämlich die Menge an Geld im globalen Geldpool “nur” 36 Billionen. Das heißt wir brauchten Hunderte von Jahre um 36 Billionen USD anzuhäufen und dann weniger als 5 Jahre um noch mal 36 Billionen zu sparen. Wie ist das passiert?

Es gibt natürlich viele Faktoren, aber der Hauptfaktor ist einfach der, dass viele Länder die früher arm waren, mittlerweile reicher geworden sind, weil sie Fernseher und Autos herstellen oder uns Öl oder andere Rohstoffe verkaufen. Die Chinesen beispielsweise haben mittlerweile über eine Billion USD in ihrem Staatsfonds.

Und dieses ganze Geld möchte nun investiert werden, damit es mehr wird. Um das klar zu sagen, der chinesische Staatsfonds oder die Bank von England, dass sind nicht die Institutionen die diesen Haufen Geld in unsichere Anlagen stecken. Die wollten einfache sichere Investments mit einer ordentlichen Verzinsung. Normalerweise geht der globale Geldpool zur amerikanischen Notenbank und holt sich Staatsanleihen.
Zum gleichen Zeitpunkt als der globale Geldpool anfing rasant zu wachsen, senkte die amerikanische Zentralbank unter Alan Greenspan als Reaktion auf das Platzen der Internet Blase und des 11. Septembers aber die Zinsen auf 1 Prozent.

Das bedeutete für den globalen Geldpool soviel wie: Sucht euch was anderes, von uns bekommt Ihr so gut wie nix.

Es gab also im Jahr 2001 sehr viel Geld aber kaum gute Investments. Und wie das so häufig ist wenn viel Geld ein Problem hat, findet jemand eine Lösung und diese Lösung hieß: Hypotheken.
Überlegt euch wie interessant Hypotheken auf den globalen Geldpool gewirkt haben müssen. Da bietet euch ein Alan Greenspan 1 %, während die Häuslebauer bereit sind dir 5, 6 oder manchmal sogar 9% Zinsen zu zahlen. Worauf der globale Geldpool allerdings keine Lust hatte war, sich um die Gesundheitsprobleme der Kreditnehmer zu kümmern, oder dass jemand seinen Job verloren hat und jetzt seine Raten nicht mehr zahlen kann.
Also haben sich ein Paar Banker überlegt wie man dem globalen Geldpool die Vorteile von Hypotheken zur Verfügung stellen kann ohne die Nachteile, und das Ergebnis ist das, was ich die Hypothekenwirtschaft nenne.

Diese erkläre ich im nächsten Beitrag.

Wie entstand die Finanzkrise - Teil 2

Kategorien: Wirtschaftskrise am April 26th, 2009 von Daniel Nowak – Kommentier als Erster

Die Hypothekenwirtschaft

Die Hypothekenwirtschaft hatte als Ziel die Hypothekennehmer und den globalen Geldpool zusammenzubringen. Aber bevor ich das erkläre, muss ich erläutern, was sich im Deutschen Fremdfinanzierung nennt und im englischen leverage.

Fremdfinanzierung

Fremdfinanzierung ist ein furchtbar langweiliges Thema und daher werde ich es sehr kurz halten. Stellt euch einfach vor Ihr habt 10.000 Euro und importiert davon MP3 Player aus China und verkauft sie dann hier an einen Großhändler für 11.000 Euro. Das ergibt einen Gewinn von 1000 Euro bei 0% Fremdfinanzierung, da Ihr nur Euer eigenes Geld verwendet habt. Jetzt das gleiche mit Fremdfinanzierung.
Statt für 10.000 Euro MP3 Player aus China zu kaufen geht Ihr mit dem Geld zu einer Bank und nehmt einen Kredit über eine Million auf. Dann kauft ihr von dem Geld MP3 Player in China und verkauft anschließend die MP3 Player an den Großhändler für 1.1 Millionen. Jetzt geht ihr zur Bank und zahlt euren Kredit ab + die Zinsen von 10.000 Euro. Bleiben also 100.000 Euro übrig und das ergibt einen Gewinn von 90.000 Euro.
Man kann sich einfach merken, Fremdfinanzierung macht aus guten Geschäften Supergeschäfte und aus schlechten Geschäften sehr schlechte Geschäfte. Und Banken arbeiten haufenweise mit Fremdfinanzierung. Alle Sachen die ich gleich beschreibe waren fremdfinanziert.

Die Hypothekenwirtschaft im Detail

Also Mike nimmt bei einem Vertreter einen Kredit auf um ein Haus zu bauen. Als Sicherheit für diesen Kredit steht das Haus. Der Vertreter tritt diesen Kredit an eine kleine Bank ab, die kleine Bank verkauft die Hypothek an eine große Wall Street Bank. Dann nimmt diese große Wall Street Bank tausende von diesen Hypotheken und verkauft Anteile an den monatlichen Raten aus den tausenden von Hypotheken an den globalen Geldpool. Diese Anlangen wurden CDOs genannt.

Ein CDO ist eine Ansammlung von Hypotheken. Hypotheken haben ein Ausfallrisiko, wenn beispielsweise der Hypothekennehmer seinen Job verliert oder krank wird. Um dieses Ausfallrisiko zu verteilen werden CDOs in 3 Tranchen aufgeteilt. Die oberste Tranche heißt Senior Tranche die mittlere Mezzanine Tranche und die letzte und risikoreichste heißt Equity Tranche. Sollten Hypotheken ausfallen ist zu allererst die unterste der 3 Tranchen betroffen, anschließend die zweite und zum Schluss die erste. Da die Equity Tranche ein höheres Risiko hat wird diese auch höher verzinst. Genauer gesagt bekam man für Anteile an der Equity Tranche 10 %, für die Mezzanine Tranche 7 % und die Senior Tranche 4%, was immer noch viel besser war als das was Alan Greenspan dem globalen Geldpool anbot.
Und der globale Geldpool liebte die Anlage und er wollte mehr davon. Alle anderen, die kleinen Banken und die Kreditvertreter und die Wallstreet Banken, liebten diese CDOs natürlich auch, denn auch sie verdienten richtig viel Geld damit. Das hieß für die Banken an der Wall Street, dass sie die kleinen Banken anriefen und Ihnen sagten: Wir brauchen mehr Hypotheken. Und die kleine Bank stellte mehr Leute ein um mehr Hypotheken zu verkaufen. Das waren teilweise Leute die vorher nichts mit der Finanzwirtschaft zu tun hatten. Und diese Leute verkauften Hypotheken bis zum Umfallen, bis im Jahr 2003 jeder der eine Hypothek kriegen konnte auch schon eine Hypothek hatte.
Nun kam es zur Senkung der Standards und der Erhöhung des Risikos. Und wie das passierte erkläre ich im nächsten Beitrag.

Wie entstand die Finanzkrise - Teil 3

Kategorien: Wirtschaftskrise am April 26th, 2009 von Daniel Nowak – 1 Kommentar

Senkung der Standards

Bis ins Jahr 2003 wurden hauptsächlich solide Hypotheken abgeschlossen. Nun aber waren solche kaum noch zu vergeben, weil jeder der für eine Hypothek qualifiziert erschien, bereits eine Hypothek hatte. Also begann man die Standards zu senken. Erst bekamen Leute mit einem geregelten Einkommen aber ohne Sicherheiten eine Hypothek. Und als diese dann ebenfalls alle eine Hypothek hatten, bekamen auch Menschen, die weder Einkommen noch Sicherheiten hatten, welche. Die ersten Hypotheken haben den Namen Prime Mortgages, die unsicheren Hypotheken nennt man Subprime Mortgages und dieser Begriff gab der Krise auch den Namen: Subprime Mortgage Crisis. Die Senkung der Standards erhöht natürlich das Risiko der CDOs und bringt uns zu dem nächsten Kapitel. Das Risiko und wie und von wem es berechnet wird.

Das Risiko

Anfangs habe ich ja gesagt, dass der globale Geldpool risikoarme Investitionen gesucht hat. Und gerade wurde erwähnt das Menschen ohne Sicherheiten und geregelten Einkommen Kredite gewährt wurden. Diese Kredite sind demnach risikoreich. Das Risiko von Wertpapieren, also auch von CDOs, bewerten sogenannte Ratingagenturen. Beispiele für Ratingagenturen sind Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch. Risikoarme Papiere wie Staatsanleihen werden von diesen Agenturen mit AAA (Tripple A) bewertet, dann geht es weiter mit AA, A, BBB, BB usw. bis CCC.

Eine Anleihe für einen Hypothekenpool von Menschen ohne Einkommen und ohne Sicherheiten wäre aber niemals mit AAA oder AA gewertet worden. Aber die oberste Tranche von einem CDO ist ja nur dann betroffen wenn der Großteil der Hypotheken ausfällt. Und selbst wenn eine Hypothek nicht getilgt werden kann, hat man ja immer noch das Haus und kann es verkaufen, und die Häuserpreise sind in den Vereinigten Staaten in den letzten 30 Jahren immer nur gestiegen.

house_prices

Basierend darauf wurde die oberste Tranche von CDOs (Senior Tranche) mit AAA, und die mittlere (Mezzanine Tranche) mit BBB bewertet, obwohl die Kredite mittlerweile an Menschen ohne ein geregeltes Einkommen verteilt wurden. Und obwohl dies auf den ersten Blick aussieht, als ob das niemals funktionieren könne, ging das die ersten 2 Jahre richtig gut. Die Ausfallraten waren gering und die Bedenken, die viele hatten, wurden dadurch besänftigt, dass man sehr viel Geld damit verdiente und das Risiko ja auch immer nach oben weitergereicht wurde. Von den Kreditvertretern wurde es an die kleinen Banken gereicht, von den kleinen Banken an die großen Banken und von den großen Banken an den globalen Geldpool. Gleichzeitig waren alle Daten, die den Investmentmanagern von teuren Computerprogrammen vorgerechnet wurden allesamt positiv. Wenn man sich in 20 Jahren an diese Krise erinnert, wird vielleicht das eine der Sachen sein, an die man sich erinnert. Wie unglaublich schlaue Menschen, Daten mehr vertraut habe als ihrem gesunden Menschenverstand. Heute wissen wir, dass es die falschen Daten waren, die sich die Ratingagenturen und großen Investmentbanken angeschaut haben, die Daten von vor 2 Jahren als die Hypotheken noch Prime Mortgages waren. Und so wurden immer mehr von diesen CDOs verkauft. Bis …

Wie es weitergeht könnt ihr im nächsten Beitrag lesen.

Wie entstand die Finanzkrise - Teil 4

Kategorien: Wirtschaftskrise am April 26th, 2009 von Daniel Nowak – 1 Kommentar

Das Ende

Ende 2005 passierte es, dass immer mehr Leute ihre Kreditraten nicht zahlen konnten. Es passierte sogar etwas, was es in der Geschichte noch nie gegeben hat. Leute konnten schon die erste Rate nicht zahlen. Also pfändeten die Banken die Häuser und wollten sie verkaufen. Das führte dazu, dass die Häuserpreise anfingen rapide zu fallen. Und in dem Moment dachten sich Hausbesitzer, die ihre Raten hätten zahlen können, wieso soll ich einen 300.000 USD Kredit zurückzahlen, wenn das Haus, dass als Sicherheit dient, nur noch 200.000 USD Wert ist, und auch sie hörten auf ihre Raten zu zahlen. Und jetzt kam die gesamte Hypothekenwirtschaft zum Stillstand.
Keiner wollte mehr die Hypotheken von den kleinen Banken kaufen, und keiner wollte mehr die CDOs von den großen Wallstreet Banken kaufen und so saßen beide auf hunderttausenden faulen Hypotheken und Häusern als Sicherheiten die rapide an Wert verloren. Das Geld, dass diese Banken dafür verwendet haben, war ja nur geliehen (siehe Fremdfinanzierung). Und in dem Moment, in dem die Gläubiger das Geld von der Bank zurückverlangen, ist die Bank pleite. Jetzt beginnt aber das große Fiasko. Einer Bank, die pleite ist oder die der globale Geldpool für pleite hält, leiht niemand Geld. Denn dieses Geld wäre dann ja im Fall der Pleite weg. Und daher kriegen Banken zur Zeit kein Geld und können daher auch kein Geld verleihen.

Was waren die Gründe für diese Krise ?

Der Artikel war ja nicht ohne Grund so lang, daher gab es natürlich viele Gründe.
Aber folgende Faktoren haben dazu geführt.

1.) Es gab viel Geld
2.) Wenig gute und sichere Investments
3.) Risikoverlagerung von unten nach oben
4.) Datengläubigkeit der Ratingagenturen
5.) Ein zu kurzfristig orientiertes Anreizsystem
6.) Eine zu hohe Fremdfinanzierungsquote

Zum Schluss noch ein kleines Lied zum aufheitern:

Ein Video zur Wirtschaftskrise

Kategorien: Wirtschaftskrise am April 18th, 2009 von Daniel Nowak – Kommentier als Erster

In diesem Video wird das Entsehen der Wirtschaftskrise erklärt.